Der Ablauf eines Mystereals

Ein Mystereal beginnt eigentlich schon vor dem festgesetzten Termin, nämlich mit dem Erhalt des Rollen-Umschlags. Eine bis zwei Wochen vor dem Spiel wird dieser jedem Spieler zugeschickt und enthält neben allgemeinen Informationen wie Ort, Zeit, Anfahrt und Regeln die für jeden Spieler unterschiedlichen Angaben zur Rolle, die er zugeteilt bekommt. Die Zuteilung erfolgt dabei nicht willkürlich, sondern anhand eines bei der Anmeldung auszufüllenden Fragebogens, welcher der Spielleitung einen Eindruck von den Vorlieben und der Selbsteinschätzung der Teilnehmer ermöglicht.

Die Rollenbeschreibung beschränkt sich dabei nicht auf eine Charakterisierung der zu spielenden Figur, sondern sie erzählt in kompakter Form einige mehr oder weniger spielrelevante Details aus deren Lebensgeschichte. Dabei werden Motivationen und Beziehungen zu anderen Personen (besonders natürlich zu anderen Rollen) dargestellt, sowie Informationen vermittelt, die später im Spiel erhebliche Bedeutung gewinnen können. Dieser je nach Komplexizität des Mystereals 2-6 Seiten lange Text muß aber nicht auswendig gelernt werden, das wichtigste ist, daß der Spieler eine Vorstellung von der Figur bekommt, die er darstellen wird. Dabei bleiben auch bewußt viele Aspekte offen, um dem Spieler den Freiraum zu geben, seine Figur so auszugestalten, wie sie ihm am meisten Spaß bereitet. Im Anhang zur Rolle finden sich dann noch Tips zur Kostümierung sowie gegebenenfalls besondere Textrequisiten (z.B. ein Brief oder eine Einladung).

Am Tag des Spiels versammeln sich alle Teilnehmer bis zu einem festgesetzten Zeitpunkt am Spielort, wo sie von den Spielleitern empfangen und mit letzten Informationen versorgt werden. Sobald die Spielleitung dann erklärt, daß das Spiel beginnen kann, schlüpfen alle Teilnehmer in ihre Rollen und die Handlung nimmt ihren ungewissen Lauf.

Der eigentliche Ablauf eines Mystereals hängt dann natürlich stark von der jeweiligen Story ab. Wichtig dabei ist, daß die Spielleitung durch Aktionen speziell instruierter Schauspieler (sogenannter "Nicht-Spieler-Charaktere", kurz "NSC") nur den Rahmen vorgeben, den Handlungsverlauf und Ausgang eines Mystereals bestimmen letztendlich die Spieler durch ihre Aktionen.

Im Grunde kann dabei ein Spieler alles tun, was er glaubt, daß die von ihm dargestellte Figur in der entsprechenden Situation tun würde. Da alle Figuren bestimmte Motivationen und Ziele haben, die natürlich zum Teil nicht miteinander vereinbar oder sogar gegenläufig sind, kommt es dadurch zu interessanten Interaktionen. Diese können harmlose Wortgefechte sein, hinterhältige Inrigen oder sogar manchmal rohe Gewalt. Da letzteres zu den wenigen Dingen gehört, die nicht real ausgespielt werden dürfen, gibt es hierfür einige einfache Regeln, die vom jeweiligen Setting abhängen und der Rollenbeschreibung beiliegen.

Angeheizt durch derlei Vorgänge und subtil von der Spielleitung eingestreute Ereignisse steuert die Handlung dem meist dramatischen Höhepunkt entgegen. Wie im richtigen Leben gibt es auch hier Gewinner und Verlierer unter den gespielten Figuren, die Spieler jedoch gewinnen immer: Ein unvergeßliche Erlebnis, an das sie noch lange zurückdenken werden.

Aber selbst wenn die Spielleiter das Ende des Spiels verkünden, ist der Spaß noch nicht vorbei. Zum einen gibt es da noch von der Spielleitung eine Menge Geheimnisse zu lüften ("Was, Du warst der Spion?!"), zum anderen hat jeder Teilnehmer andere Erlebnisse zu berichten (auch da viele Ereignisse an unterschiedlichen Orten stattgefunden haben), weshalb die Gespräche darüber oft noch Stunden danach andauern.

 

 


Wer es genauer wissen will:

 

Was ist ein Mystereal?